
Wer angesichts des neusten Audi-Showcars nur chinesisch versteht, versteht genau richtig: mit dem "Q3 jinlong yufeng" zeigen die Ingolstädter auf der Auto China eine weitere Interpretation ihres kompakten SUVs. Die Sonderausgabe des Lifestyle-Lasters soll die Kauffreude der kaufkräftigen chinesischen Kundschaft wecken...
Nein, das ist kein Dejavu ... der gelb lackierte "Q3 jinlong yufeng" hat erstaunliche Ähnlichkeit mit dem roten "Q3 Vail", nur das die neuste Schöpfung der Marketingstrategen nicht auf Ski-begeisterte US-Kunden zielt, sondern auf Kite-Surfing verrückte Chinesen mit den nötigen Remnimbis in der Tasche. Ganz genau wie der "Vail" ist der "jinlong yufeng" perfekt auf die trendige Sportart abgestimmt: die Dachreling bietet genug Platz für zwei Kite-Bretter und im Kofferraum des Q3-Derivats wartet das restliche Equipment auf die rasenden Wellenreiter. Apropos Welle, Audi reitet auch hier auf dem digitalen Trend und bietet die Möglichkeit Bilder einer Audi-Cam via WLAN-Funkwellen direkt ins Bordsystem des Q3 zu senden, von wo die Videos direkt über eine UMTS Verbindung ins Web geladen werden können.
Unter der Motorhaube des Q3 jinlong yufeng steckt übrigens wieder der 2.5TFSI. Statt wie im RS Q3 360PS leistet der Fünfender hier "nur" 310PS. Die inflationäre Verwendung des betörenden Fünfzylinders in verschiedenen Q3-Konzepten könnte übrigens ein Vorbote einer kommenden Serienversion sein...
impressionen des "Q3 jinlong yufeng":

Verschiedene Design-Elemente kennt man bereits vom Q3 Vail

Auf dem Dachgepäckträger des Themenfahrzeugs finden zwei Kitte-Bretter Platz.

Ein bunter Materialmix prägt das Innenleben des Q3 jinlong yufeng

Gelb/Schwarz im Innenraum: Eine stille Verbeugung des FC-Bayern-Anteilseigners Audi vor dem neuen Fußballmeister?

Platz für Ausrüstung und jede Menge Image-Transport: der Kofferraum des Q3 jinlong yufeng.








klar ist, dass der segen der erste zu sein, sich zum fluch handeln kann. nämlich dann wenn jeder höhere beamte des staatsapperates eine A6-langversion fährt (die mittleren fahren ja oft buick, und das übrigens auch nicht seit gestern), da will man sich als privater kunde, der sich fast alles leisten kann, natürlich schon abheben. in diese lücke muss seitens volkswagen bentley und lamborghini stoßen, und da sind die geplanten suvs ja sehr geeignet (wenngleich ich persönlich suvs mag wie der teufel das weihwasser). letzendlich rechne ich damit dass sich die verkaufzahlen der "großen drei" in den nächsten 15, 20 jahren weiter angleichen (falls bei keinem der drei die führung versagt, so wie das bei mercedes der fall war), und das weltweit, also auch in den usa, da allerdings mit umgekehrten vorzeichen. aber ich gebe dir ganz recht die entwicklung ist sehr interessant und spannend. die große gefahr für audi liegt aber, wie gesagt, meiner ansicht nach nicht in der konkurrenz sondern in einer möglichen wirtschaftlichen talfahrt in china, die den vw-konzern viel härter treffen würde als den rest. kein westlicher mensch hat einblick in das chinesische bankenwesen und weiss wie viele der laufenden kredite dort faul sind. aber das ist ein anderes thema. danke, r8v8
Vielleicht war der Begriff "Fall" journalistisch übertrieben, aber es lässt sich nicht wegdiskutieren, dass Audi in den reichen Großstädten Boden verloren hat, und zwar von einer beinahe idealen Ausgangsposition aus.
Ein Auskenner hat mir gestern erklärt, dass die vier Ringe sich in eine (aktuell) etwas schwierige Position zwischen Mittel- und Oberklasse manövriert haben: Für die Mittelschicht in den Industriestädten ist ein Audi immer noch viel zu teuer, andererseits hat die Marke aber den "erhabenen Nimbus" der Oberklasse, auf den neureiche Chinesen so großen Wert legen, verloren.
Das erklärt, warum im Augenblick ein Wandel der Kundenstruktur stattfindet.
Andererseits, und das bitte als Variante des unten schon versuchten positiven Ausblicks verstehen: Die kapitalistische Pionierzeit in China neigt sich dem Ende zu, die Löhne steigen massiv, die aus den armen Provinzen in den Indurstriegürtel gekommenen Arbeiter gehen wieder zurück, weil sie nun auch zuhause Geld verdienen können. Es entsteht eine echte Mittelschicht. Gleichzeitig wird der Glanz des westlichen Luxus auch allmählich etwas stumpfer. Wenn ich mir vor diesem Hintergrund den chinesischen Markt in drei, vier Jahren vorstelle, dann steht Audi plötzlich wieder sehr gut da.
Und in den Provinzen abseits des Industriegürtel im Osten scheint man ja auch noch kräftig zu wachsen: 40% im letzten Jahr, mehr als BMW, mehr als Mercedes oder Lexus sowieso.
Also sorry, wenn ich aus meinem sehr subjektiven Eindruck eine Tendenz abgeleitet habe. Interessant ist es dennoch, finde ich.
Welche Enttäuschung, als ich letzte Woche zum zweiten Mal nach Shanghai gereist bin: Audi hat seine Dominanz im Straßenbild komplett verloren (2008 war beinahe alles, was nicht Taxi oder Nutzfahrzeug war ein Audi). In der Oberklasse sind BMW, Lexus und Mercedes wesentlich häufiger zu sehen, darunter hat sich eine neue Mittelklasse gebildet, die praktisch vollständig in Händen von GM (Buick) ist.
Als wäre das noch nicht schlimm genug für Audi, gibt es für dieses Phänomen auch noch ein höchst fatale Erklärung: Laut unserer chinesischen Geschäftsführerin (die Auto-Erfahrung hat, aber gewiss nicht parteiisch ist) wollen die wohlhabenden Chinesen keine "West-Preise" für in China mit schlechter China-Qualität gebaute Autos bezahlen. Schlechte Qualität? Ja, offenbar bleiben chinesische Audi auffällig oft mit Elektronik-Defekten liegen, leiden an schneller Alterung der Materialien im Interior und klappern. Der gute Ruf ist dahin.
Wenn man sich vor Augen hält, dass Audi anfangs, dank des Joint Ventures mit FAW, den Markt mit VW praktisch alleine für sich hatte, dann ist das eine ganz schön traurige Entwicklung.
Vielleicht ist das, was wir zur Zeit sehen schon der erste Teil einer Gegenkampagne. Auch in USA ist Audi ja gefallen und furios wieder aufgestanden. Aber der Fall der Marke in China ist eine vor Ort unübersehbare Tatsache.