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Home Motoren & Technik Alleskönner und Unterhaltungskünstler – Audi, BMW und Mercedes im Blogger-Infotainment-Vergleich 2012

Alleskönner und Unterhaltungskünstler – Audi, BMW und Mercedes im Blogger-Infotainment-Vergleich 2012

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Wer sich heute für ein Fahrzeug aus der deutschen Oberklasse entscheidet, bekommt für viel Geld viel Leistung. Und vor allem viele technische Spielereien, die das Fahrerlebnis einfacher und entspannter machen sollen. Um diesen geweckten Bedürfnissen mal auf den praktischen Grund zu gehen, haben einige Blogger eine feine Auswahl an Vertretern der deutschen Premiumhersteller aufeinander losgelassen. Ziel? Sehen, was die Hersteller in Sachen Infotainment- und Assistenzsystemen zu bieten haben.

Bevor wir uns den einzelnen Kandidaten widmen, schauen wir mal, wer für die großen Drei in den Ring gestiegen ist. Für die Münchener Autobauer war BMW-Blogger Benny von Bimmertoday mit einem 750d xDrive am Start. Der Vertreter des Stuttgarter Sternensystems war Blogger-Urgestein Robert Basic mit einem CLS 350CDI. Und für die Ringträger aus Ingolstadt stieg unsereins samt eines A6 Avant 3.0BiTDI in die Testarena. Wie bitte? Eine Luxuslimousine, eine Edel-Coupe und ein Oberklasse-Kombi passen nicht zusammen? Doch das tun sie. Neben der Gemeinsamkeit, dass unter allen Hauben drei Liter große Selbstzünder für Leistung und Vortrieb sorgen, treten auch alle drei mit einem vollgepackten Bündel an Infotainmet- und Assistenzsystemen an, die in der deutschen Premiumklasse zur Zeit die Standards setzen.

Also, Zeit für den Kampf der Bedienkulturen. Und weil wir gut erzogen sind, lassen wir dem ältesten Hersteller den Vortritt:

Mercedes CLS 350CDI

Bevor ich mich in die Tiefen der Infotainmentebenen des Sternenkreuzers stürze, darf natürlich ein Eindruck vom Fahrzeug nicht fehlen. Der CLS rollt ja bereits in der zweiten Generation vom Werksgelände. Und mal ehrlich, ich war damals im Jahr 2004 regelrecht verliebt in den ersten CLS. Ein wirklich elegantes, neues und mutiges Fahrzeugkonzept, das eine Renaissance der viertürigen Coupes eingeläutet hat. Leider hat es von dieser schlichten und selbstbewussten Eleganz nicht mehr viel in die 2.0-Version des CLS geschafft. Das Design des Neuen wirkt irgendwie nervös und unsicher. Zu viele Sicken und ein runter hängende Nase lassen den aktuellen CLS irgendwie beliebiger wirken. Aber der Silberpfeil hat sich ja nicht zur Desingkritik eingefunden. Also rein in die gute Stube und schauen, was das Comand-System so drauf hat.

Innen spannt der CLS den Bogen zwischen gediegener Mercedes-Gemütlichkeit und kühler Moderne. Auf der Mittelkonsole thront eine große Hutze, die den Bildschirm des Comand-Displays beherbergt – übrigens der kleinste Screen im Test. Und genau diese fehlende Größe merkt man auch. Die Inhalte und Menüs des Systems wirken schon fast etwas gedrungen. Gesteuert werden die Funktionen über einen Dreh/Drück/Kipp-Schalter auf dem Mitteltunnel, der lediglich von einer „Back“- und einer „Erase“-Taste flankiert wird. Die übrigen Tasten und Knöpfe zur Steuerung des Comand-Systems sitzen traditionellerweise in der Mittelkonsole. Sogar ein numerischer Nummernblock hat im Inneren des CLS überlebt. Fast schon ein Relikt, das etwas an alte Nokia-Handys erinnert. Etwas angegraut wirkt auch das Design des User-Interface. Hier wechseln sich antiquierte Radioskalen, lieblos gestaltete Untermenüs und nicht gerade scharf gerenderte Navi-Grafiken ab. Abgesehen von diesen gestalterischen Lieblosigkeiten verrichtet das Infotainmentsystem aber brav - wenn auch etwas langsam - seinen Dienst. Auch die bei Mercedes „Linguatronic“ genannte Spracheingabe bringt dem Fahrer Verständnis entgegen und speichert die Testadresse ordentlich im Navi ab. Etwas weniger Verständnis von Seiten der beteiligten Blogger gab es für die redundant ausgelegte Uhr des CLS. Denn wenn man möchte, kann man die in der Mittekonsole eingebaute Analoguhr auch als digitales Pendant auf dem Comand-Screen einblenden. Was das für einen Sinn macht oder ob es sich hier um einen kleinen Entwicklerspaß aus Sindelfingen handelt, kann ich leider nicht beantworten. Die Kontrolle über Assistenzsysteme und Bordcomputer kann man übrigens auch über ein rundes Mitteldisplay im Tacho des Mercedes ablesen und via MuFu-Lenkrad steuern. Leider beweist der Stuttgarter auch hier kein Größe und quetscht allerlei Infos in das kleine runde und in beigen-Farbstufen gehaltene Infodisplay.

Schick. Aber nicht wirklich schön. Der Mercedes-Benz CLS 350CDI


Eiche rustikal trifft auf Postmoderne: das Interieur des CLS inklusive Comand-System


Als einziger der drei trennt Mercedes Menütasten und Controller räumlich voneinander - eine sehr unpraktische Tradition


Antik Radio im Benz - noch eines der schöneren UI-Designs.


Der Dreh/Drück/Kipp-Schalter des Comand-Systems.


BMW 750d xDrive

Kommen wir zum Münchener. Aber auch hier gibt es einen kurzen Gesamteindruck zum Fahrzeug – als Petrolhead kann man eben nicht anders. Der geliftete 7er steht deutlich frischer und dynamischer dar als die ungestraffte Vorversion. Allerdings muss sich der große BMW die Kritik gefallen lassen, die auch Audi in letzter Zeit einstecken muss: durch die Modellpflege rückt der 7er optisch näher an den 5er und der Wiedererkennungswert der großen Limousine sinkt. Dafür sehen die neuen LED-Augen des Müncheners wirklich ziemlich gut aus. Aber es kommt hier ja auf die Inneren Werte an. Also einsteigen bitte.

Im Cockpit hat BMW zum Glück Abschied genommen vom unansehnlichen Bangle´schen „Schrankwand-und-XXL-Hutzen-Design“. Alles wirkt jetzt viel gradliniger und cleaner – allerdings kommt der 7er in Sachen Materialanmutung und Detailverliebtheit hier noch nicht an Audi heran. Dafür setzt er Maßstäbe in Sachen Monitor-Größe. Das Display des iDrive-Systems als Mäusekino abzustempeln wäre schon fast eine Beleidigung – es ist eher ein Mäuse-IMAX das sich quer im gestreckten Format über die Mittelkonsole ausbreitet. Die Größe nutzt BMW für diverse Splitscreen-Modi und die Darstellung der Menüstrukturen, die den Platz auch brauchen. Denn mit ein paar Klicks, Drehern und Drückern des iDrive-Controllers findet man sich sehr schnell in tief verzweigten Untermenüs wieder. Ansonsnte verrichtet der mit mehreren Schnellwahltasten umgebene iDrive-Knopf sein Dienst aber sehr zuverlässig. Und nach einiger Zeit geht die Bedienung bestimmt intuitiv von der Hand. Aber der 7er überrascht mit einem weiteren Display. Seit dem Facelift setzt der große Münchener auf ein voll digitales Armaturenbrett. Nur zwei Chromringe schlagen noch die Brücke in die gute alte Welt und umrahmen die eingeblendeten Tacho- und Drehzahlnadeln. Die technische Spielerei bietet viel digitalen Raum für allerlei Infos, wirkt aber wie ein Feature aus der Playstation. Natürlich lassen sich auch im BMW einige Fahrzeugfunktionen über das Lenkrad steuern. Hier vergeudet der 7er allerdings wertvollen Platz, weil die Steuerung des Tempomaten im Lenkrad sitzt.

Als einziger der drei Testwagen war der 7er mit einer vollen Online-Integration ausgestattet, wodurch er wirklich punkten konnte. Über die Online-Schnittstelle kann der BMW auf das WWW zugreifen, was allerdings eine recht mühsame und eher langsame Surf-Experience ist. Dafür überzeugt das BMW Assist genannte System, das via Mobilfunkverbindung jederzeit Kontakt zu einem Call-Center herstellen kann. Wer also unterwegs nach einem pakistanischen Restauruant sucht, kann einfach im München durchklingeln und sich eines empfehlen lassen. Und die Navi-Daten werden auf Wunsch direkt ins System übertragen. Eine wirklich eindrucksvolle Spielerei, die weder der Audi noch der Mercedes bieten konnten – aber bald werden, denn beide Hersteller arbeiten an ähnlichen Systemen. Ach ja, die Sprachsteuerung des 7er ist sehr verständnisvoll und speist die gesprochenen Infos am schnellsten und zuverlässigsten ins System ein. 

Nach dem Facelift etwas mehr 5er - der BMW 7er.


Gradlinig, aufgeräumt - viel besser als der Vorgänger: die gute Stube des 7er - mit Großraumdisplay.


Fehlt nur noch der rote Samtvorhang. Das Display des BMW zeigt echte Größe.


Alles digital. Aber auch alles besser? Das etwas verspielte Digitaldisplay des 7er.


Totwinkelassistent, Spurhalteassistent, Head-Up-Display usw. ... alle drei Tester kommen mit einer Armada an technischen Helfern daher.


Audi A6 Avant 3.0BiTDI 

Der dritte im Bunde: der Audi. Hier fällt Objektivität zunehmend schwerer, denn der große Luxuslaster hat bei mir wirklich einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Sowohl optisch als auch technisch. Aber bevor ich hier Schwärmereien über den großen TDI-Kombi verfalle, konzentrieren wir uns jetzt besser auf das Innenleben.

Anders als die beiden Kontrahenten kommt der A6 mit einem ausfahrbaren Display. Ein nettes Design-Gimmick, das man mögen kann aber nicht mögen muss. Kontrolliert werden die Inhalte des dynamischen Flatscreens über die aktuellste Version des MMI-Layouts, das aus meiner Sicht den besten Kompromiss zwischen den getesteten Systemen darstellt. Aporpos darstellen – auch bei der Präsentation der MMI-Inhalte geht der Audi in Führung. Sämtliche Screens sind detailliert gestaltet ohne dabei überladen zu wirken – ein wirklicher Vorsprung, besonders im Vergleich zum CLS. Nur bei der Displaygröße muss sich der A6 dem 7er geschlagen geben. Hier hat der BMW einfach ein paar Zoll mehr zu bieten. Wer will, kann das MMI auch über das neue Touchpad mit Eingaben füttern. Die Fingergesten werden relativ zuverlässig vom System erkannt. Leider muss man nach jedem Buchstaben die Bestätigung durch das System abwarten, trotzdem ein schnellerer Weg als jede einzelne Letter über den MMI-Controller anzuwählen. Alternativ steht auch im Audi einen Spracheingabe zur Verfügung, die allerdings im Test durch Unverständnis überrascht hat. Die Testadresse in Mönchengladbach wollte das System einfach nicht verstehen – hier ist der Audi leider durchgefallen. Zwar hat das System in anderen Fällen genauer hingehört, aber man sollte doch ein wenig mehr Zuverlässigkeit erwarten.

Auch der A6 bietet neben dem großen Infotainmentsystem in der Mittelkonsole eine weiter Bedienebenen, die sich aus dem großen Infodisplay zwischen den Armaturen und den Lenkradtasten zusammensetzt. Auch hier spielt Audi den Streber und hat ein wirklich tolles System implementiert. Über vier Menüebenen lassen sich durch wenige Klicks Media, Navi, Telefon und Fahrzeugfunktionen steuern. So gut, dass man den MMI-Screen ruhig einfahren kann. Es sei denn man sucht eine Parklücke und nutzt die eingebauten Umgebungskameras, die ein echt großartiges Bild von der Umgebung liefern. Man hat fast den Eindruck ein Drohne würde permanent über dem A6 schweben und Echtzeitbilder ins Innere funken – wirklich großartig.

Unauffällig beeindruckend: der Luxuslaster A6 Avant 3.0 BiTDI


Die kühl coole Kommandokapsel des A6 - einfach schön.


Muss man nicht mögen - das vollversenkbare Display des MMI


Der Audi überzeugt mit dem besten User-Interface und einer intuitiven Bedienung.


Die ganz große Geste: per Touchpad lassen sich Adressen ins System eingeben.


Das Fazit

Was soll man sagen. Wirklich schlecht hat sich keiner der Drei geschlagen. Alle bieten (auf Wunsch) das volle Programm an Assistenzsystemen und Infotainment-Angeboten – vorausgesetzt, man ist bereit die teilweise sehr happigen Aufpreise zu zahlen. Aber die Drei gehen auch unterschiedliche Wege. Der Mercedes hat mich persönlich durch das lieblose User Interface enttäuscht. Der BMW hat mich hingegen überrascht. Besonders die Online-Integration von verschiedenen Services ist wirklich ein tolles Feature. Der Audi schlägt die Brücke zwischen Beiden – mit einem wirklich perfekt zu bedienenden System, das nicht ganz so tief geht wie das des BMW, dafür aber deutlich hochwertiger gestaltet ist, als das Comand des CLS und sich einfach bedienen lässt. Hätte die Sprachsteuerung des A6 nicht rumgezickt, dürfte sich der A6 den ersten Platz mit dem BMW teilen. So rutscht er allerdings auf Platz Zwei. Allerdings dürfte er da nicht lange bleiben, schließlich bringt Audi mit „connect“ ein ähnliches System wie BMW, das viele Online-Funktionen ins Auto bringen wird. Spätestens dann dürfte es für die Münchener wieder enger werden. Und der CLS muss auf Platz drei nachsitzen und besser werden.


PS: Wie die Eindrücke der Kollegen waren, erfahrt ihr natürlich bei ihnen. Also auf Bimmertoday.de und auf Buzzriders.com. Viel Spaß!


PPS: Vielen Dank an Andi für die großartigen Bilder. Die gesamte Foto-Bibilothek mit allen Aufnahmen findet Ihr auf Andis Fotostream auf Flickr.

 

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